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Auch die mittlerweile beinahe legendäre Runde einmal um den Harz haben wir nun hinter uns gebracht.

Uns Organisatoren hat besonders gefreut, dass alle 28 Teilnehmer das Brevet erfolgreich beenden konnten.

Bei einstelligen Plusgraden gar nicht so selbstverständlich, oder vielleicht doch? Ewig rumstehen und überlegen ob man abbricht wäre jedenfalls keine gute Idee gewesen... ;) 

Andreas hat wieder fleißig fotografiert, den Link zum Album findet ihr >>hier<<

 

Jörg L. hat einen schönen Bericht von seinem ersten 300er in's Gästebuch geschrieben. Damit er aber dort nicht untergeht, sollte er auch hier zu lesen sein:

Party mit Hindernissen - Der 300 km Brevet war ein tolles Erlebnis, wenn es auch ein paar Probleme gab.

Geniales Wetter, nicht zu warm eben richtiges und trockenes Fahrradwetter.

Gleich nach dem Start gab es schon einen kleinen Schock. Der rauhe Asphalt in Richtung Räbke vermittelte den Eindruck: zu wenig geübt, keine Kondition. Egon, mein innerer Schweinehund sagte immer: „ Das wird nichts, gib auf!“ Egal woran es lag, ob Reifen,Luftdruck oder nur Gefühl, es war frustrierend. Nach dieser Horrorstrecke ging es zügig weiter und die Moral wurde besser. Bis Eitzum hatte ich schon eine kleine Lücke zum Hauptfeld, aber dann gab es Missverständnisse zwischen mir und dem neuen Navigator. Bonusmeilen mit zusätzlichen Höhenmetern waren die Folge, nur weil aus irgendeinem Grunde das Display stehengeblieben war.

Ich bin in Warberg aufgewachsen und kannte eigentlich den Anfang der Strecke, aber ich ließ mich von der Technik in die Irre führen. Da rächte es sich, dass ich die Papierversion nicht auf der Lenkertasche hatte, obwohl ich extra eine teure Auflage dafür gekauft hatte. Es war der Anfang meines zweiten Brevets und ich hatte noch viel zu lernen. Manchmal bin ich beratungsresitent und lerne dann schmerzhaft aus eigenen Fehlern.

So ging es dann mit ein paar weiteren Bonusmeilen weiter. 74 Kilometer in 4 Stunden bis zur ersten Kontrolle, bedeutete dass ich den Rest der strecke allein hinterherfahren musste. Bis Berga hatte ich mich wieder etwas verbessert und mein Navigator unterließ aus unerfindlichen Gründen das einschlafen. Ich hielt die Ver- und Entsorgungspause recht kurz und nahm noch so viel Wasser und Verpflegung wie möglich mit, denn jetzt war der, von mir als Anfänger, gefürchtete Übergang über den Harz dran. Zur Sicherheit hatte ich auch die Papierversion für diesen Abschnitt griffbereit. Ich wollte auf jeden Fall bei Tageslicht aus dem Harz heraus sein. Die Südseite des Harzes war schon ein besonderes Erlebnis, aber dann kam Mansfeld. Leider war ich in Zeitdruck, aber das, was da an mir vorbeizog war beeindruckend. In der Dämmerung lag das Kloster malerisch über der ohnehin schon sehenswerten Stadt. Ich kam mir vor wie ein Japaner, der filmend durch die Welt reist und sich erst zu Hase ansieht, wo er war.

Die Bestrafung folgte auf dem Fuße, der Aufstieg hinter der Stadt. Aber jede Steigung ist ja irgendwann mal zu Ende und dann ging es mit ein paar kleineren Steigungen nach Aschersleben.

Hier kam die große Katastrophe, ich hatte mein Portemonnaie verloren. Ich bemerkte es, als ich Kaffee und Gebäck bestellt hatte und stornierte sofort den Auftrag. Jetzt kam etwas, was ich nie erwartet hätte, die freundliche Verkäuferin lud mich zu meiner Bestellung ein. Zwei Polizisten, die zufällig anwesend waren halfen nicht nur beim Suchen, sie informierten auch die anderen Streifen auf der Strecke nach Berga, aber in der nächsten Stunde kam keine positive Antwort.

Nachdem ich mich sehr freundliche bedankt hatte fuhr ich weiter. Es war inzwischen stockdunkel. Plötzlich hake der Antrieb. Ich ließ das Rad bis zur Einfahrt eines Hotels ausrollen und sah mir im Schein meines Ersatzscheinwerfers die Sache an. Ein langer Eisendraht war zwischen Kette und Ritzel geraten. Nachdem er beseitigt war, ging es weiter.

Nun folgte eine sehr unschöne Strecke. Eine breite gut ausgebaute gerade Straße mit ein paar Bodenwellen. Eigentlich eine tolle Strecke, aber das dachten ein paar Verkehrsrowdies auch und fuhren mit extrem hellen Scheinwerfern ohne abzublenden mit extrem überhöhter Geschwindigkeit darauf herum. Das Licht war derartig grell, dass ich es vorzog stehenzubleiben, nachdem ich es einmal bereut hatte fast blind weitergefahren zu sein.

Darauf folgte eine endlose Strecke durch Dörfer. Die Powerbank, die meinen Navigator, der allein 15 Stunden durchhalten sollte, speiste hatte den Geist aufgegeben, so war Navigation nur noch mit Papier darauf erschien keiner der Ortsnamen, die auf den Ortsschildern zu lesen waren. Unter einer Straßenlaterne wechselte ich die Batterien und stellte fest, dass noch mindestens 10 Stunden Beleuchtung übrig wären, wenn ich die Beleuchtungspowerbank für den Navigator benutzen würde.

Nun war wieder ein beleuchteter Navigator vorhanden und es ging zügig weiter. Hinter Hötensleben machte ich den Fehler, vor dem alle Randonneure warnen, ich fuhr auf den Radweg und legte mich kurze Zeit später sehr schmerzhaft auf die Seite. Lernen aus eigenen Fehlern ist sehr eindrucksvoll und damit auch nachhaltig.

Der Rest war denn Routine. Diese Strecke kannte ich noch aus Kindertagen. So fuhr ich dann kurz vor knapp bei Hartmut auf den Hof. Dieser Brevet hatte mich geschafft. Ich fühlte mich am Ende und verzichtete auf die 400 km, weil ich dachte, dass 300 km mein Limit wären. Nachdem ich nun eine 2. 300 und eine 400 km Strecke unter erleichterten Bedingungen erfolgreich gefahren habe, werde ich in 2017 eine komplette Serie in Warberg fahren.